Warum liegen drei Angebote für dasselbe so weit auseinander?
Stell dir den Schreibtisch einer Inhaberin vor, sagen wir einer Physiotherapiepraxis mit zwei Angestellten. Darauf liegen drei Angebote, alle in derselben Woche eingetroffen, alle mit „KI-Sichtbarkeit” in der Betreffzeile.
Das erste: 149 Euro im Monat, „KI-Optimierung Ihrer Website inklusive llms.txt”, Laufzeit zwölf Monate. Das zweite: 2.500 Euro im Monat, „GEO-Betreuung mit Strategie, Content, Technik und Monitoring”. Das dritte: 3.900 Euro einmalig für einen „AI Visibility Audit”, danach „individuell”.
Alle drei behaupten, dasselbe Problem zu lösen. Keines erklärt, woran man nach drei Monaten erkennt, ob es funktioniert hat. Und die Inhaberin hat kein Gefühl dafür, ob 149 Euro ein Schnäppchen oder rausgeworfen sind und ob 2.500 Euro Wucher oder angemessen wären.
Damit ist sie in guter Gesellschaft. GEO ist 2026 ein Markt, in dem viel Geld fließt, aber kaum jemand sauber misst – und genau das erklärt die Preisspanne.
Die Zahlen dazu: In der Branchenumfrage „State of AI Search Optimization 2026” von SEOFOMO (171 Suchprofis aus 36 Ländern, befragt Ende August 2026) haben 69 Prozent inzwischen Budget für KI-Sichtbarkeit, im Vorjahr waren es 38 Prozent. Marketer lenken laut einer Fractl-Erhebung, die Digiday im August 2026 zusammenfasste, im Schnitt 24 Prozent ihres Such- und Content-Budgets in KI-Sichtbarkeit. Und gleichzeitig: Nur 5 Prozent der SEOFOMO-Befragten sehen einen deutlichen Geschäftseffekt, 28 Prozent noch gar keinen, und die meistgenannte Herausforderung ist, die Sichtbarkeit überhaupt zuverlässig zu messen.
Wo niemand verlässlich messen kann, kann auch niemand verlässlich bepreisen. Das ist der ganze Grund für die Spanne auf dem Schreibtisch.
Was verkaufen Anbieter unter dem Wort „GEO” eigentlich?
Der zweite Grund ist banaler: Unter demselben Etikett stecken völlig verschiedene Produkte. Wer die drei Angebote nebeneinanderlegt, vergleicht in Wahrheit einen Toolzugang, eine Vollbetreuung und ein Gutachten.
Damit du einordnen kannst, was dir angeboten wird, hier die Bausteine, aus denen jede ernsthafte GEO-Arbeit für einen regionalen Betrieb besteht – und was sie realistisch an Aufwand bedeuten:
| Baustein | Was damit gemeint ist | Aufwand pro Monat (regionaler Betrieb, ein Standort) |
|---|---|---|
| Messung | Deine wichtigsten Kundenfragen in ChatGPT, Gemini, Perplexity und Google-KI regelmäßig prüfen: Wirst du genannt, wer sonst, welche Quellen? | 1–3 Stunden, plus Toolkosten je nach Tiefe |
| Profile & Daten | Google-Unternehmensprofil, Bing, Apple, Branchenverzeichnisse, Portale – vollständig, identisch, aktuell | Aufbau: mehrere Tage; Pflege: 1–2 Stunden |
| Texte | Leistungen, Besonderheiten und Kundenfragen so beschreiben, dass Mensch und Maschine sie auslesen können – auf der Website und in Profilen | 3–8 Stunden pro guter Seite |
| Bewertungen | Systematisch einholen, beantworten, Muster erkennen | 1–3 Stunden |
| Dritte | Erwähnungen in Lokalpresse, Stadtmagazinen, Verbänden, Bestenlisten – also dort, wo KI-Systeme tatsächlich zitieren | schwankend, eher Beziehungsarbeit als Fließband |
Ein Angebot für 149 Euro kann davon einen Baustein ehrlich abdecken – etwa ein Tool, das die Messung übernimmt. Es kann nicht alle fünf abdecken, dafür reicht das Geld für keine einzige Arbeitsstunde pro Woche. Ein Angebot für 2.500 Euro kann alle fünf abdecken, ist aber meist für Unternehmen gerechnet, die zehn Leistungsbereiche, mehrere Standorte oder einen erklärungsbedürftigen B2B-Markt haben.
Ein Beispiel für offene Kommunikation: Die B2B-Agentur Gerlach Media veröffentlicht im August 2026 ihre Preise – 3.500 Euro für ein Audit, laufende Betreuung ab 2.500 Euro im Monat – und schreibt ausdrücklich dazu, dass das ihre eigenen Preise für Industriekunden sind und kein Marktpreis, weil sich Toolzugang, Workshop und Vollbetreuung „preislich nicht sinnvoll direkt vergleichen” lassen. Das ist die richtige Haltung. Ein Anbieter, der dir seinen Preis als „das kostet GEO eben” verkauft, hat entweder den Markt nicht verstanden oder verlässt sich darauf, dass du ihn nicht verstehst.
Was kostet klassische SEO – und warum ist das der Maßstab?
Weil GEO bei den meisten Anbietern kein eigenes Produkt ist, sondern auf die SEO-Arbeit draufgesattelt wird, lohnt der Blick auf die Preise dort. Laut SEOFOMO läuft KI-Sichtbarkeit bei 77 Prozent der Befragten im SEO-Team und meist auch im SEO-Budget.
Und dieses Budget ist kleiner, als viele denken. Der „2026 SEO agency growth report” von Sitechecker (73 Agenturen, veröffentlicht März 2026) zeigt: 42,5 Prozent der SEO-Agenturen verlangen im Schnitt weniger als 1.000 Dollar pro Monat, weitere 26 Prozent liegen zwischen 1.000 und 2.500 Dollar. Nur 8,2 Prozent nehmen mehr als 10.000 Dollar. Gleichzeitig heben 56,2 Prozent ihre Preise 2026 an, weitere 26 Prozent halten sie, und 15 Prozent versuchen es, scheitern aber an ihren Kunden.
Zwei weitere Zahlen aus derselben Erhebung sind für dich als Auftraggeber wichtiger als jede Preisliste:
Kunden, die kündigen, hören zu 27,4 Prozent ganz mit SEO auf. Nicht: wechseln zu einem besseren Anbieter. Sondern: lassen es. Und 37 Prozent der Agenturen nennen Zweifel ihrer Kunden am Nutzen als größtes Preishindernis. Das ist die Kehrseite eines Marktes, in dem der Erfolg schwer zu belegen ist – und der Grund, warum du bei jedem Angebot als Erstes nach der Messmethode fragen solltest, nicht nach dem Preis.
Die Einschränkung, die dazugehört: Beide Umfragen sind international, mit Schwerpunkt USA und Westeuropa, und beide stammen von Tool-Anbietern, die ein Interesse daran haben, das Thema groß zu zeichnen. Die Größenordnungen decken sich aber mit dem, was wir bei deutschen Betrieben in Angeboten sehen – die Stundensätze sind hier eher etwas höher, die Leistungsumfänge eher etwas kleiner.
Woran erkenne ich ein Angebot, das zu billig ist?
„Zu billig” heißt nicht „günstig”. Es heißt: Der Preis passt nicht zur versprochenen Leistung. Fünf Warnsignale, die wir immer wieder sehen:
1. Eine Garantie. „Platz 1 in ChatGPT in 30 Tagen” oder „garantierte Nennung”. Sprachmodelle antworten nicht zweimal gleich, ihre Quellen gewichten sie von Modellversion zu Modellversion anders, und niemand außerhalb von OpenAI, Google oder Anthropic kann eine Nennung erzwingen. Wenn nur 5 Prozent der Profis einen deutlichen Effekt sehen, ist eine Garantie kein Beleg für Kompetenz, sondern für das Gegenteil.
2. Keine Messmethode. Frag: Welche Fragen prüft ihr? In welchen Systemen? Wie oft? Was gilt als Erfolg? Wer darauf keine konkrete Antwort hat, kann dir am Ende auch keinen Erfolg zeigen – und wird dir stattdessen Traffic-Kurven oder „Sichtbarkeitsindizes” präsentieren, die mit KI-Antworten nichts zu tun haben.
3. Leistungen, die nicht zur Sache gehören. Social-Media-Posts, Newsletter, Logo-Redesign – alles legitim, alles nicht GEO. Wenn ein „KI-Sichtbarkeits-Paket” zur Hälfte aus Instagram besteht, zahlst du für etwas anderes als das, was draufsteht.
4. Technische Wundermittel. Am häufigsten: die Datei llms.txt. Sie ist schnell angelegt, kostet nichts und wird gern als Kernleistung verkauft – ihre Wirkung auf die Sichtbarkeit ist bislang nicht belegt. Dasselbe gilt für „KI-optimierte Meta-Tags” und ähnliche Erfindungen. Was laut der SEOFOMO-Befragten tatsächlich am meisten bewirkt, ist unspektakulär: Inhalte ausbauen, damit sie mehr echte Fragen abdecken; Inhalte so strukturieren, dass Antworten leicht zu entnehmen sind; und die Seite technisch sauber zugänglich halten. Wir haben die gängigen Mythen in GEO-Mythen-Check: Was wirklich hilft, in KI gefunden zu werden auseinandergenommen.
5. Ein Tool, verkauft als Betreuung. Ein Monitoring-Tool zeigt dir, ob du genannt wirst. Es schreibt keine Leistungsseite, ruft keine Lokalredaktion an und antwortet auf keine Bewertung. Wenn hinter dem Monatspreis ein Dashboard und sonst nichts steht, hast du ein Thermometer gekauft, keine Heizung.
Woran erkenne ich ein Angebot, das zu teuer ist?
Das ist der schwierigere Fall, weil ein hoher Preis an sich nichts Verdächtiges hat. Drei Prüffragen helfen:
Für wen ist das Paket gerechnet? Wenn ein Angebot von „Prompt-Sets”, „Märkten”, „Sprachen” und „Geschäftsbereichen” spricht, ist es für einen Mittelständler mit Exportgeschäft gebaut. Ein Malerbetrieb mit einem Standort hat vielleicht zwanzig Kundenfragen, die zählen – nicht zweihundert. Dafür braucht es keine Industrie-Betreuung.
Was davon kann ich selbst? Wenn du deine Leistungen ohnehin gut beschreiben kannst und dein Team Bewertungen aktiv einholt, brauchst du diese Bausteine nicht einzukaufen. Ein guter Anbieter fragt danach und rechnet den Preis entsprechend – ein schlechter verkauft dir das Komplettpaket.
Wie lang ist die Bindung – und was passiert, wenn nichts passiert? Zwölf Monate Laufzeit ohne Ausstieg bei ausbleibender Wirkung verlagern das gesamte Risiko auf dich. Frag nach einer Regel für den Fall, dass sich nach drei Monaten in den Messungen nichts bewegt.
Was kostet es, wenn ich es selbst mache?
Ehrliche Antwort: nichts – außer dem Teuersten, was du hast.
Der Einstieg ist überschaubar und wir empfehlen ihn jedem, bevor er einen Vertrag unterschreibt: Nimm dir einen Nachmittag. Prüf dein Google-Unternehmensprofil auf Vollständigkeit. Schau, ob deine Leistungen auf der Website als Text stehen oder nur als Bild und PDF. Stell in ChatGPT, Perplexity und Google-KI drei Fragen so, wie ein Kunde sie stellen würde, und notier, wer genannt wird. Die Anleitung dafür steht in So testest du deine KI-Sichtbarkeit in 15 Minuten.
Danach beginnt die eigentliche Rechnung. Aus der Tabelle oben ergeben sich für einen Betrieb mit einem Standort realistisch drei bis fünf Stunden pro Monat laufende Arbeit, plus in den ersten Wochen mehrere Tage für den Aufbau der Profile und die ersten Texte – vorausgesetzt, es passiert wirklich jeden Monat. Rechne diese Stunden mit dem Stundensatz, den du deinen Kunden berechnest, oder mit dem, was dir eine freie Stunde wert ist. Bei 60 Euro sind das 180 bis 300 Euro im Monat an Eigenleistung; bei 90 Euro 270 bis 450.
Das Problem ist selten die Rechnung. Das Problem ist der Monat, in dem die Auftragslage brummt, zwei Leute krank sind und die KI-Sichtbarkeit als Erstes liegen bleibt. Aus unserer Erfahrung ist genau dieser dritte oder vierte Monat der Punkt, an dem die meisten Selbstmacher aufhören – ungefähr dann, wenn die ersten Effekte messbar würden.
Wie rechne ich aus, ob es sich für meinen Betrieb lohnt?
Das ist die Frage, die in fast keinem Angebot vorkommt, obwohl sie die wichtigste ist. Die Rechnung ist einfach und du solltest sie mit deinen eigenen Zahlen machen, nicht mit denen aus einer Präsentation.
Schritt 1: Was ist dir ein neuer Kunde wert? Nicht der erste Auftrag, sondern das, was ein typischer Kunde über die Zeit bringt. Ein Dachdecker rechnet mit dem Auftragswert, eine Physiotherapiepraxis mit der Zahl der Behandlungen pro Patientin, ein Restaurant mit Besuchen pro Jahr.
Schritt 2: Wie viele zusätzliche Kunden decken die Kosten? Bei einem Auftragswert von 1.500 Euro und einer Betreuung für 299 Euro im Monat reicht ein zusätzlicher Auftrag alle fünf Monate, damit es sich trägt. Bei einer Praxis mit 400 Euro Behandlungswert pro Patientin ist es knapp eine neue Patientin pro Monat.
Schritt 3: Die Gegenprobe. Werden KI-Empfehlungen in deiner Branche überhaupt schon zum Besuch? Dazu gibt es inzwischen belastbare Zahlen: In der Gastronomie, im Einzelhandel und bei Gesundheitsdienstleistern führen KI-Empfehlungen in Deutschland bereits messbar zu Erstbesuchen – die Details stehen in unserem Artikel Gastronomie und KI. Und dein Selbsttest zeigt dir, wo du stehst: Wirst du gar nicht genannt, ist der Hebel groß. Wirst du bereits genannt, aber hinter zwei Wettbewerbern, ist der Hebel konkret. Stehst du schon vorn, brauchst du keine Betreuung, sondern nur Pflege.
Wichtig: Das ist ein Rechenbeispiel, keine Prognose. Niemand kann dir seriös sagen, wie viele Anfragen die KI-Sichtbarkeit bringt – erst recht nicht, bevor gemessen wurde, wo du heute stehst.
Warum kostet die regionalflat-Flatrate weniger als eine GEO-Agentur?
Weil wir etwas anderes bauen. Die Preise von 2.500 Euro und mehr entstehen dort, wo jeder Kunde ein individuelles Projekt ist: eigene Strategie, eigene Prompt-Sets, eigene Technik, mehrere Märkte. Das ist für Industrieunternehmen richtig.
Ein regionaler Betrieb braucht dieselben fünf Bausteine – Messung, Profile, Texte, Bewertungen, Dritte –, aber in überschaubarer Zahl und in einem Ablauf, der sich wiederholt. Genau das ist eine Flatrate: standardisierte Bausteine, fester Monatspreis, keine Stundenabrechnung. Der KI-Sichtbarkeits-Check läuft in allen Paketen mit und ist die Messmethode, nach der du bei jedem Anbieter fragen solltest: definierte Kundenfragen, mehrere KI-Systeme, regelmäßig wiederholt, mit Wettbewerbern im Vergleich.
| Paket | Starter | Professional | Premium |
|---|---|---|---|
| Monatspreis | 299 € | 499 € | 799 € |
| KI-Sichtbarkeits-Check | als Basis | als Basis | als Basis |
| Profile & Brancheneinträge * | 15 | 40 | 60+ |
| KI-Texte pro Monat | 2 | 4 | 8 |
| Bewertungs-Management | Starthilfe | aktiv | aktiv |
| Presse, Videos & Wissensdatenbanken | – | – | ✓ |
* Die angegebenen Profile & Brancheneinträge (15 / 40 / 60+) werden über die gesamte Mindestlaufzeit von 6 Monaten aufgebaut – nicht pro Monat.
Und zu der Frage „Was passiert, wenn nichts passiert?”, die du jedem Anbieter stellen solltest: Zeigt der KI-Sichtbarkeits-Check nach 90 Tagen keine Bewegung, ist der Rest der Laufzeit kostenlos. Das ist keine Garantie auf Platz 1 – die kann niemand geben –, sondern die Zusage, dass das Risiko nicht allein bei dir liegt.
Fazit: Frag nicht zuerst nach dem Preis, sondern nach der Messung
In einem Satz: GEO-Preise liegen 2026 deshalb so weit auseinander, weil unter demselben Wort völlig verschiedene Leistungen verkauft werden und weil der Erfolg schwer zu messen ist – ein seriöses Angebot erkennst du nicht am Preis, sondern daran, dass es dir sagt, wie es gemessen wird.
Die Lage in drei Zahlen: 69 Prozent der Suchprofis haben 2026 Budget für KI-Sichtbarkeit, aber nur 5 Prozent sehen einen deutlichen Effekt. 42,5 Prozent der SEO-Agenturen verlangen weniger als 1.000 Dollar im Monat, und mehr als die Hälfte erhöht gerade die Preise. Und 24 Prozent des Such- und Content-Budgets fließen inzwischen in KI-Sichtbarkeit, während 71 Prozent der Marketer nicht messen, wie sie im Vergleich zu Wettbewerbern in KI-Antworten dastehen.
Für die Inhaberin mit den drei Angeboten auf dem Schreibtisch heißt das: Das 149-Euro-Angebot verkauft ihr eine Datei und ein Versprechen. Das 2.500-Euro-Angebot ist für ein anderes Unternehmen gerechnet. Und das 3.900-Euro-Gutachten sagt ihr, wo sie steht – das kann sie an einem Nachmittag mit einem Selbsttest auch selbst herausfinden.
Mach den Selbsttest zuerst. Dann weißt du, wie groß dein Hebel ist – und kannst jedes Angebot an der einzigen Frage messen, die zählt: Wie zeigt ihr mir in drei Monaten, ob es wirkt?